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Rückblick

Interview mit Rolf Bühler, Director Europe Greater Zurich Area AG

Feb 22, 2022

Lieber Rolf, die Greater Zurich Area – Was darf man sich darunter vorstellen und wer steckt dahinter?

Da muss einerseits zwischen der Greater Zurich Area, dem Wirtschaftsraum, unterschieden werden: Der Wirtschaftsraum Zürich zeichnet sich durch geballte Technologiekompetenz im stabilsten Umfeld Europas aus und umfasst aus territorialer Sicht neun Kantonen der deutsch- und italienischsprachigen Schweiz.
Andererseits zwischen der Greater Zurich Area AG (GZA), damit sind wir als Standortmarketing-Organisation gemeint. Wir unterstützen internationale Firmen bei der Investition, Gründung und Expansion in den Wirtschaftsraum Zürich. Unsere maßgeschneiderte Beratung hilft expandierenden Unternehmen besser informierte und schnellere Entscheidungen zu treffen. Zudem vernetzen wir mit den entsprechenden Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft.

Zürich und München sind beides Städte mit hoher Lebensqualität und international renommierten Universitäten. Gibt es einen Trend, wann sich ein Unternehmen für einen Standort in der Schweiz und wann für Bayern entscheidet?

Die Standorte sind in vielerlei Hinsicht vergleichbar: Beide tun sich durch ihre hohe Innovationskraft hervor und verfügen über eine Vielzahl an gut ausgebildeten Fachkräften und Spezialisten aus verschiedenen Technologiefeldern. Beispielsweise existieren Forschungskollaborationen, etwa VW, das sowohl mit der TU München als auch mit der ETH Zürich an einem gemeinsamen Projekt arbeitet. Auch punkto Lebensqualität empfinden wir München und Zürich sehr ähnlich.
Natürlich gibt es auch Unterschiede, die entscheidend sein können. Je nach Unternehmen bewertet es die günstigere Kostensituation in Bayern besser oder legt mehr Wert auf die arbeitgeberfreundlichen Rahmenbedingungen in der Greater Zurich Area. Häufig sind aber auch «soft» Faktoren der Grund, etwa ein persönlicher Bezug, warum sich ein Unternehmen an einem bestimmten Standort niederlässt.

Welche Firmen kommen auf euch zu? Was waren die letzten Ansiedlungen, die strategisch perfekt zu Zürich passen?

Grundsätzlich unterstützen wir jedes Unternehmen, das Interesse an einer Expansion in die Schweiz hat – kostenlos dazu. Bei der Akquise von ausländischen Unternehmen haben wir uns aber einen klaren Fokus gesetzt: Diese sollen zum einen in Zukunftstechnologien wie beispielsweise Künstliche Intelligenz, autonome Systeme, Robotik oder Blockchain tätig sein und zum anderen konzentrieren wir uns auf Metropolitanregionen wie eben München. Ein gutes Beispiel einer kürzlichen Ansiedlung ist das Baden-Württembergische Unternehmen Targens, das im Bereich Finanztechnologie tätig ist.

Was war die spektakulärste Ansiedlung?

Für uns war Google eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte, die wir immer wieder gerne hervorheben: Der Tech-Gigant startete mit nur drei Mitarbeitenden in der Greater Zurich Area und nun befindet sich hier sein größter Forschungs- und Entwicklungsstandort außerhalb den USA. Wir durften aber auch viele kleinere, hochinnovative Unternehmen begleiten, wie z. B. Airmap, das hier ein Joint-Venture-Projekt mit Skyguide betreibt. Dabei geht es um die Luftraumüberwachung in Bezug auf Drohnen.

Der Kanton Zug – auch Teil der Greater Zurich Area – wirbt damit, dass Kryptowährung wie beispielsweise Bitcoins seit 2021 als offizielles Zahlungsmittel akzeptiert werden. Sind derartige technologische Neuerungen ausschlaggebend, weshalb sich ein Unternehmen in der Schweiz niederlassen möchte?

Ein innovatives und unternehmensfreundliches Umfeld ist definitiv entscheidend. Dies wird in der Greater Zurich Area aktiv durch die Behörden wie auch sich selbst verstärkende Technologie-Ökosysteme begünstigt. Und ja das Beispiel Crypto Valley in der Greater Zurich Area ist nach wie vor ein Magnet für disruptive Fintech- und Blockchain Unternehmen weltweit. Dabei ist der Zugang zu entsprechenden Talenten häufig ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger. Sowohl die INSEAD- als auch die IMD-Rankings bewerten die Schweiz als weltweit führend, wenn es darum geht, qualifizierte Arbeitskräfte anzuziehen, zu halten und zu fördern. Auch da sind sich München und Zürich sehr ähnlich.

Die Bahnstrecke zwischen Zürich und München ist ja stets Optimierungen unterzogen. Wie legst Du den Weg am Liebsten zurück?

Die Bahn ist trotzdem mein bevorzugtes Transportmittel: Sie ist klimafreundlicher als das Auto oder Flugzeug und zudem bin ich mit der schnellsten Verbindung ab Zürich in weniger als vier Stunden in München. Diese Zeit kann ich prima für die Arbeit nutzen.

Nun, der persönliche Weg ist das eine, das andere ist der Warenverkehr. Nach dem Scheitern des Rahmenabkommens mit der EU, was sind derzeit die größten Probleme bzw. wo würdest Du Dir welche Lösung wünschen?

Den Warenverkehr würde ich mit Ausnahme von ein paar wenigen Produktarten nicht als Problem bezeichnen. Das viel größere Problem orten wir in der Forschungszusammenarbeit mit unseren europäischen Freunden. Momentan ist die Schweiz nicht als Vollmitglied bei Horizon Europe akkreditiert. Das ist in der Tat schmerzhaft und hilft niemandem. Hier wünschten wir uns eine schnelle Lösung.

Lieber Rolf, als ehemaliges Mitglied des Vorstands des SDWM hast Du auch an der Entwicklung des SDWM beigetragen. Wie ist die GZA auf den SDWM aufmerksam geworden und wieso ist der SDWM Deiner Meinung nach auch für Schweizer Firmen bzw. Schweizer Staatsbürger so attraktiv?

Durch die tatkräftige Unterstützung des ehemaligen schweizerischen Generalkonsuls wurden wir mit dem damaligen Vorsitzenden des Vorstands des SDWM, Jürgen Schneider, vernetzt. In der Folge durften wir uns bereits an einem Lunchtable im Bayerischen Hof dem SDWM vorstellen. Das war ein derart positives Erlebnis, dass wir umgehend eine Mitgliedschaft beantragt haben. Seither bereitet es uns sehr viel Spaß, uns in München im SDWM einbringen zu dürfen. Gerade für Unternehmen und Personen mit deutsch- und schweizerischem Bezug sowie geschäftlichen Absichten ist der SDWM eine überaus gute und effektive Plattform. Zudem herrscht eine freundschaftliche Atmosphäre; ein weiterer Pluspunkt.

Herzlichen Dank, lieber Rolf, für das Interview und wir freuen uns alle, Dich und Deine Kollegen bald wieder im Club persönlich zu treffen und uns weiter auszutauschen. Wer weiß, vielleicht erweitert ja ein Unternehmer aus Bayern und kommt zu Euch?!? Auf bald!

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